Worum es geht
Viele Jugendliche nutzen KI längst für Schule und Freizeit. Laut JIM-Studie 2025 setzen 91 Prozent der 12- bis 19-Jährigen mindestens eine KI-Anwendung ein, ein Jahr zuvor waren es 62 Prozent. Viele Eltern fragen sich, ob ihr Kind damit lernt oder sich die Arbeit abnehmen lässt.
Dieser Artikel richtet sich an Eltern von Schulkindern und Jugendlichen. Seine Aussage: Sie müssen keine Fachleute sein, um gut zu begleiten. Es kommt darauf an, dass Ihr Kind KI zum Verstehen nutzt, dass es weiß, was nicht in eine Eingabe gehört, und dass Sie darüber im Gespräch bleiben.
Unten finden Sie drei Fragen für jede Hausaufgabe, einen Musterauftrag, mit dem KI erklärt statt löst, eine Vorlage für Familienregeln und eine Entscheidungshilfe zu den Altersgrenzen.
Wofür Kinder KI nutzen
Jugendliche nutzen KI vor allem für Hausaufgaben und zum Lernen, zur Informationssuche und um sich erklären zu lassen, wie etwas geht. Unter den 12- bis 19-Jährigen, die KI nutzen, sind es 74 Prozent für Hausaufgaben oder zum Lernen, 70 Prozent zur Informationssuche und 54 Prozent, um herauszufinden, wie etwas geht.
Die wichtigste Anwendung ist ChatGPT: 84 Prozent der 12- bis 19-Jährigen haben es schon verwendet. Google Gemini und Meta AI nutzt jeweils rund ein Drittel zumindest selten, My AI von Snapchat etwa ein Fünftel. KI begegnet Ihrem Kind also auch in Apps, die es ohnehin nutzt.
57 Prozent der 12- bis 19-Jährigen halten Informationen aus der KI weitgehend oder voll und ganz für vertrauenswürdig, obwohl KI auch Falsches behauptet. Voll und ganz vertrauen ihr nur 6 Prozent. Deshalb ist es wichtig, gemeinsam über Grenzen zu sprechen.
Ab welchem Alter
Die Altersgrenzen stehen in den Nutzungsbedingungen und unterscheiden sich. ChatGPT erlaubt die Nutzung ab 13 Jahren, unter 18 nur mit Zustimmung der Eltern. Andere Anbieter setzen 18 Jahre voraus, etwa Anthropic für Claude. Schauen Sie in die Nutzungsbedingungen des jeweiligen Angebots.
- Wenn Ihr Kind jünger als 13 ist, dann ist ChatGPT nach den Nutzungsbedingungen nicht vorgesehen. Zeigen Sie ihm KI lieber gemeinsam, statt ein eigenes Konto anzulegen.
- Wenn Ihr Kind zwischen 13 und 17 Jahre alt ist und ChatGPT nutzen möchte, dann braucht es Ihre Zustimmung. Ein guter Anlass, die Familienregeln weiter unten gemeinsam festzulegen.
- Wenn ein Angebot 18 Jahre voraussetzt, dann ist es für Ihr Kind nicht gedacht, auch nicht für die Hausaufgaben.
- Wenn die Schule ein Werkzeug vorgibt, dann gelten dafür die Regeln der Schule. An hessischen Schulen nutzen Schülerinnen und Schüler das KI-Werkzeug des Landes, AIS.chat, über Links oder QR-Codes, die ihre Lehrkraft für den Unterricht erstellt. Mehr dazu im Artikel KI an Schulen in Hessen.
Lernt Ihr Kind oder schreibt es ab?
Ob KI beim Lernen hilft, hängt vor allem davon ab, wie Ihr Kind fragt. Drei Fragen helfen Ihnen, das bei jeder Hausaufgabe im Blick zu behalten:
- Vorher: „Was willst du heute lernen?“
- Dabei: „Erklärt die KI, oder löst sie?“
- Danach: „Erklär es mir jetzt ohne KI.“
Ein Beispiel aus der Prozentrechnung. Die Aufgabe lautet: Eine Jacke kostet 80 Euro, sie ist um 25 Prozent reduziert. Was kostet sie jetzt? Tippt Ihr Kind die Aufgabe einfach ein, liefert die KI die fertige Lösung. Ihr Kind kann sie abschreiben, ohne den Rechenweg zu kennen.
Mit einem anderen Auftrag wird die KI zum Lernpartner. Eine Vorlage, die Ihr Kind anpassen kann:
- „Ich bin in Klasse [7] und übe [Prozentrechnung]. Erklär mir das Thema Schritt für Schritt und stell mir nach jedem Schritt eine Frage. Verrate mir keine Lösung, gib mir höchstens einen Tipp.“
Die KI fragt dann zum Beispiel: „Was ist ein Viertel von 80?“ Ihr Kind antwortet: „20. Also 60 Euro!“ Den Rechenweg hat es selbst gefunden. Wenn Sie danach fragen, kann es ihn auch erklären.
Fragen Sie außerdem, was die Lehrkraft bei dieser Aufgabe erlaubt. Steht dazu nichts auf dem Arbeitsblatt, kann Ihr Kind in der nächsten Stunde nachfragen. Hat es KI genutzt, hilft ein kurzer Satz unter der Aufgabe, etwa „Gliederung mit KI, Text selbst geschrieben.“ So bleibt für die Lehrkraft nachvollziehbar, was von Ihrem Kind stammt.
Regeln für zu Hause: eine Vorlage
Regeln halten besser, wenn alle sie gemeinsam aufschreiben. Die folgende Vorlage können Sie mit Ihrem Kind durchgehen und die Lücken zusammen füllen. Hängen Sie das Ergebnis dort auf, wo Ihr Kind Hausaufgaben macht.
- Erst selbst nachdenken, dann fragen.
- KI zum Erklären nutzen, nicht zum Abschreiben. Die KI erklärt, die Aufgabe machst du.
- Keine persönlichen Daten, Fotos oder Adressen eingeben. Fotos von anderen laden wir nie hoch.
- Antworten prüfen: Stimmt das? Woher weiß ich das?
- Diese KI-Apps nutzen wir: [Liste]. Neue Apps besprechen wir vorher.
- Nach [Uhrzeit] chatten wir nicht mehr mit KI.
- Fragen bei Unsicherheit sprechen wir offen an. Sorgen besprechen wir miteinander.
- In [drei Monaten] schauen wir gemeinsam, ob die Regeln noch passen.

Worauf Sie achten sollten
Laut JIM-Studie 2025 traut sich nur rund ein Drittel der Jugendlichen gute Kenntnisse beim Erkennen von Deepfakes zu. Gefälschte Bilder und Videos sind deshalb ein Thema für die ganze Familie. Diese Hinweise helfen im Alltag:
- Wenn Hausaufgaben plötzlich zu leicht wirken, dann lassen Sie sich die Lösung ohne KI erklären.
- Wenn Ihr Kind oft oder nachts mit einem Chatbot schreibt, dann fragen Sie interessiert nach, worüber, und vereinbaren Sie feste Zeiten. Wirkt ein Chatbot für Ihr Kind wie ein Freund oder zieht es sich zurück, suchen Sie das Gespräch und holen Sie sich bei Bedarf Unterstützung, etwa bei der Schule.
- Wenn Ihr Kind ein überraschendes Bild oder Video zeigt, dann prüfen Sie es gemeinsam: Woher stammt es, wer hat es zuerst veröffentlicht? Passt es zu Ort, Zeit und Anlass? Bestätigen unabhängige Quellen, was es zeigt?
Gemeinsam ausprobieren
Am meisten hilft, KI gemeinsam auszuprobieren: Lassen Sie sich zeigen, was Ihr Kind damit macht, und stellen Sie selbst eine Frage. So kommen Sie ins Gespräch. Für einen ersten gemeinsamen Abend eignen sich drei kleine Übungen:
- Fragen Sie die KI etwas, dessen Antwort Sie kennen, etwa zu Ihrem Wohnort oder zu einem Hobby Ihres Kindes. Prüfen Sie zusammen, was stimmt.
- Bitten Sie die KI um eine Quelle für eine Behauptung und suchen Sie gemeinsam, ob es sie gibt. KI kann Belege erfinden.
- Lassen Sie Ihr Kind den Musterauftrag von oben mit einem Thema aus der aktuellen Hausaufgabe ausprobieren.
Nächste Schritte
- Fragen Sie Ihr Kind, welche KI-Apps es nutzt und wofür.
- Prüfen Sie für jede App die Altersgrenze in den Nutzungsbedingungen.
- Füllen Sie die Vorlage für Familienregeln gemeinsam aus.
- Stellen Sie bei der nächsten Hausaufgabe die drei Fragen.
Wenn Sie das Thema an der Schule Ihres Kindes ansprechen möchten, etwa im Schulelternbeirat: lindenbrook bietet Schulen einen KI-Elternabend von 90 Minuten an, in der Schule oder online. Alle Eltern bekommen dort einen Leitfaden mit einer Vorlage für Familienregeln. Für Lehrkräfte und Schulleitungen gibt der Artikel Aufgaben, die eigenes Denken zeigen Anregungen für den Unterricht.
Welche KI-App nutzt Ihr Kind am häufigsten, und haben Sie sie schon einmal gemeinsam ausprobiert?
Häufige Fragen
Sollte ich KI verbieten?
Ein Verbot lässt sich kaum durchsetzen. Besser sind klare Absprachen und Interesse an dem, was Ihr Kind mit KI macht.
Woran erkenne ich, ob mein Kind abschreibt?
Fragen Sie nach dem Lösungsweg. Wer etwas selbst verstanden hat, kann es in eigenen Worten erklären.
Ab welchem Alter darf mein Kind ChatGPT nutzen?
Nach den Nutzungsbedingungen ab 13 Jahren, unter 18 nur mit Zustimmung der Eltern. Andere Anbieter setzen 18 Jahre voraus, etwa Anthropic für Claude. Was für ein Angebot gilt, steht in dessen Nutzungsbedingungen.
Was darf mein Kind in eine KI eingeben?
Keine persönlichen Daten, Fotos oder Adressen und keine Fotos von anderen. Gut geeignet sind Fragen zum Lernstoff ohne persönliche Angaben. Im Zweifel lieber nichts eingeben und nachfragen.
Ich kenne mich selbst kaum mit KI aus. Kann ich trotzdem begleiten?
Ja. Sie müssen keine Fachleute sein. Lassen Sie sich von Ihrem Kind zeigen, wie es KI nutzt, und stellen Sie die drei Fragen zur Hausaufgabe. Interesse und feste Absprachen helfen mehr als technisches Wissen.
Quellen
- mpfs, JIM-Studie 2025
- mpfs, JIM-Studie 2025, Bericht (PDF, S. 63 bis 67)
- OpenAI: Nutzungsbedingungen (EU)
- Anthropic: Consumer Terms of Service (englisch)
Stand: . Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung.


